Wer historische Fußballdaten analysiert, steht schnell vor einer gewaltigen Herausforderung: Wie verwandelt man Hunderte von Zeilen roher Spielergebnisse in eine packende Geschichte? Im Vordergrund stand die Frage, wie wir Daten greifbar und logisch nachvollziehbar machen – angefangen mit der richtigen Tabellenstruktur über die Analyse des Heimvorteils bis hin zur visuellen Darstellung historischer Veränderungen im Taktikspiel der Mannschaften.
Der erste Schritt: Festlegung der Granularität (Zeilenebene)
Die Granularität wurde bewusst auf ein Team pro Spiel festgelegt. Das bedeutet: Für jedes stattgefundene WM-Match existieren in dieser Tabelle exakt zwei Zeilen (eine Zeile für Team A und eine Zeile für Team B). Nur so ist es später in Power BI möglich, Statistiken sowohl aus der Sicht des Siegers als auch des Verlierers fehlerfrei zu filtern. Als ersten Anwendungsfall haben wir dann die meisten Siege pro Land ausgewertet und als Bar Chart umgesetzt.

Die Charts untersuchen den Heimvorteil bei Weltmeisterschaften.
Das Donut-Diagramm zeigt, dass Gastgeber (Host) logischerweise nur 8,4 % aller Turnierspiele bestritten haben. Die zentrale Matrix-Tabelle beweist den Effekt des Heimpublikums als „12. Mann“: Bei Nationen wie Uruguay (+61,82 %) oder England (+43,63 %) war die Siegquote zu Hause bedeutend höher. Interessant sind die negativen Abweichungen bei Brasilien und Spanien – warum siegen sie im eigenen Land laut Statistik weniger oft?
Die rechte Tabelle zeigt die treffsichersten Gastgeber nach Gesamttoren. Brasilien führt das Ranking mit 19 Toren bei der Heim-WM 1950 an, gefolgt von Argentinien (1978), Frankreich (1998) und Uruguay (1930) mit je 15 Treffern. Die Daten belegen visuell, dass der Heimvorteil für die meisten Länder ein enormer Erfolgsbeschleuniger ist. 🙂

Fußballerische Effizienz im Fokus
Aus der Analyse der Erfolgsquoten nach Toren entstand ein dicht gedrängtes Punktdiagramm (Scatter Plot). Zu viele Teams überlagerten sich im unteren linken Quadranten – ein klassischer „Overplot“, der den Blick auf das Wesentliche blockierte.
Um die Daten etwas zu priorisieren, haben wir die historischen Weltmeister farblich hervorgehoben (mit einem kräftigen Gold), während das dichte Mittelfeld der restlichen Turnierteilnehmer ein dezentes Rosa bekam. Als weiteres Hilfsmittel können die Zoom-Slider dabei helfen, das dichte Mittelfeld zu analysieren.

Indem man mit den Slidern die Achsen neu einstellt, werden die Datenpunkte aufgefächert und lassen sich deutlich besser ablesen.

Die Evolution des Spiels auf der Zeitachse
Ein weiteres Highlight des Dashboards ist das kombinierte Säulen- und Liniendiagramm, das die durchschnittlichen Tore pro Spiel mit der Siegquote vergleicht. Das zeigt den Wandel des Fußballs anschaulich:
- 1930er–1950er Jahre: Hohe Torquoten dominieren das Bild. Es war die Ära der extrem offensiven Taktiken, in denen oft mit fünf Stürmern gespielt wurde.
- 1960er–heute: Die Torquote flacht ab und stabilisiert sich auf einem niedrigeren Niveau. Hier wird der Einzug moderner Defensivsysteme, des organisierten Pressings und der Sportwissenschaft sichtbar.
Die darüber liegende Linie der globalen Siegquote fungiert dabei als Indikator für die Unentschieden-Dichte eines Turniers – besonders das Turnier im Jahr 1982 war von vielen Unentschieden dominiert.

